Jeder, der sich bei der Arbeit hauptsächlich mit dem modernen Büroalltag beschäftigt, hat doch das ein oder andere Mal daran gedacht, Mails, Meetings und Memos hinter sich zu lassen und sich auf das wirklich Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Oder zumindest die eigenen Fähigkeiten in einem Umfeld anzuwenden, in dem die Resultate auch zu sehen sind. Bevor Matthias Adams seine Aktivitäten auf Trauben, Hefen und Wein konzentrierte saß er im Finanzvorstand einer süddeutschen Firma. Heute, gerade einmal fünf Jahre später, ist er eingeheirateter Weingutseigner, Winzer und stolzer Vater. Wovon andere träumen hat sich hier im Eiltempo verwirklicht.
Das Weingut von Racknitz, das seine Frau, Luise von Racknitz-Adams mit in die Ehe brachte war ehemals der Gutshof des Klosters Didibodenberg in Odernheim an der Nahe, in dem Hildegard von Bingen 40 Jahre ihres Lebens verbachte. Hier wird bereits seit dem 11. Jahrhundert Wein angebaut. Ausschließlich in Steillagen mit bis zu 60 Jahre alten Riesling-Reben. Die Rebanlagen werden ökologisch bewirtschaftet, die Weinbereitung im Keller erfolgt, trotz der schlechteren Kontrollierbarkeit der Gärung, ausschließlich mit den bereits auf dem Lesegut vorhandenen natürlichen Hefen in sogenannter Spontangärung. Da kann es leicht passieren, dass der ein oder andere Wein auch mal bei etwas mehr Restzucker die weitere Gärung verweigert, ganz wie es den jährlich unterschiedlichen Hefestämmen beliebt. So entstehen Weine mit den reinen Aromen der Region, von unverfälschter Typizität. Es bleibt für mich nur eine Frage offen: Warum gibt es bei Familie von Racknitz Chianti zum Picknick und nicht die eigenen Weine? Jedenfalls sieht mir das nicht nach einer Schlegelfalsche auf dem Bild auf der Weingutsseite im Internet aus. Robert Naser verkostet drei Weine aus dem Angebot des Weingutes von Racknitz, sehen Sie selbst, wie die Weine munden.
more…