Riesling International :: # 71
Sunday, March 28th, 2010 | Author: Robert Naser
Der beste Riesling der Welt kommt aus Deutschland! Das glaube nicht nur ich, sondern wohl auch die meisten der hiesigen Wein Fans. Vertreter dieser Rebsorte die aus anderen Ländern Europas stammen, wie Frankreich und Österreich werden gerade noch akzeptiert. Als Exot gilt hingegen bereits der Riesling aus Italien oder Ungarn. Dass auch Anbaugebiete in Übersee außergewöhnlich gut für den Riesling geeignet sind erkennt der Deutsche Weinfreund nur widerwillig an. Trotzdem sollen zum Beispiel aus dem Staate Washington im äußersten Nordweste der USA nicht nur hervorragende Chardonnay und Pinot Noir kommen, sondern auch exquisite Rieslinge.
Entscheidend für die Feinheit des Rieslings ist, neben dem Kleinklima, der Breitengrad des Anbaugebiets. Je weiter man sich an den kühleren Rand der Weinbauzone begibt, desto interessanter wird das Wechselspiel zwischen ausgeprägter Frucht und frischer Säure das den guten Riesling auszeichnet. Auf der Nordhalbkugel liegt dieser Bereich, in dem Weinbau ohne außergewöhnliches Kleinklima möglich ist, zwischen dem 35. und 50. Breitengrad. Auf der Südhalbkugel wird Wein, durch die Verteilung der Kontinente bedingt, lediglich zwischen dem 30. und dem 40. Breitengrad angebaut. Besonders im Verdacht für interessanten Riesling Victoria im äußersten Süden Australiens, Tasmanien und das ohnehin Weißwein verwöhnte Neuseeland.
Heute verkoste ich drei Rieslinge, einen einheimischen und zwei aus Übersee. Sehen Sie also selbst wie die Weine beim Vergleichs Tasting abschneiden.
2008 Riesling trocken Weingut Heinrich Vollmer
Pfalz, Deutschland
In der Farbe helles Goldgelb. Im Duft stumpf ohne definierte Fruchtaromen. Am Gaumen eine abenteuerliche Aromatik von Honig und Gorgonzola. Bis zum nächsten Tag hat sich der Wein deutlich geöffnet, sogar im Duft ist er dann als Riesling eindeutig zu erkennen. Schade dass der einfache Riesling von Vollmer nach etwas Belüftung verlangt. Günstig und “befriedigend” als Essensbegleiter für jeden Tag.
Robert Naser = Hop << zum Shop oder bei Rewe um die Ecke.
2007 Eroica Riesling Chateau Ste Michelle & Dr. Loosen
Washington State, USA
Die Farbe sehr hell. Die Nase typisch Riesling mit ausgeprägten Pfirsicharomen. Am Gaumen ordentlich restsüß und mit hoher Viskosität, leider aber ohne Fruchtspiel und mit unharmonisch spitzer Säure im Abgang. Der Wein wirkt eindimensional und stumpf wie eine Limonade. Der Eroica muss wohl auf die Kundschaft in den USA und Asien zugeschnitten sein und hat mit klassischem Riesling nichts zu tun. Eisgekühlt gut geeignet die superscharfe Szechuan-Ente in einem schicken Restaurant in Hong-Kong runter zu spülen.
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2007 Promised Land Riesling Wakefield Winery
Clare Valley, South Australia
Sehr kräftige Farbe. Funky New-World-Nose, Zitrone und Melisse im Duft, eventuell auch der Rest von Frucht mit Reifenoten. Am Gaumen unangenehm aber mit durchgängiger Aromatik. Lahm klebt die Kräuternote auf der Zunge…
Gold bei der L.A. County Fair, Robert Naser = Flop << zum Weingut
Mein Ergebnis dieser Verkostung ist eindeutig. Die Wein Stil der außerhalb Europas bei Riesling gefragt ist unterscheidet sich stark von dem was hier als hochwertig gilt. Platte Restsüße wie bei Limo ist in! Und wenns ein bisschen an einen schweren Chardonnay erinnert, muss sich der Kunde vom letzten Trend nicht umgewöhnen – Prost.










Tolle Folge. Erfrischend, mal wieder ihren fantastischen Duft-Beschreibungen zu horchen. Man freut sich fast am meisten, wenn sie n’übles Tröpfchen im Gläsle schwingen. Schön, dass sie auch was persönliches durchblicken lassen, am Ende. Herzlichen Glückwunsch, das Sandmännchen.
Wehe Sie schicken mir jetzt noch mehr von der Übersee-Asian-Market-Plörre, nur um der blumigen Beschreibungen willen…